KIGA BRUCK/PEUERBACH
LAGE & ZUWEGUNG
Bruck liegt im östlichen Zentralraum Oberösterreichs, eingebettet in eine flach hügelige, vorrangig von Streusiedlungen und landwirtschaftlichen Betriebsstrukturen geprägten Gegend, im Süden der Gemeinde Peuerbach. Hier, südlich der Faulen Aschach, liegt umgeben von meist zweigeschoßigen Wohngebäuden und landwirtschaftlich genutzten Gebäuden das Grundstück, auf dem der Neubau des Kindergartens errichtet wurde. Die nachbarschaftliche Bebauung zeichnet sich vorrangig durch kompakte Baukörper mit Steildach, vorwiegend Satteldächern aus, die sich teilweise in Zeilen, oder um Höfe gruppiert. Das Grundstück selbst ist flach in Richtung Norden geneigt und etwa zur Hälfte im Süden mit Baulandwidmung, nördlich mit Grünlandwidmung belegt.
Die Erschließung erfolgt von einer nach Norden führenden Stichstraße, abgehend von einer west-ostwärts laufenden Gemeindestraße, wobei das Grundstück selbst gegenüber der bestehenden Bebauung von der Straße abgesetzt ist. Der Entwurf sieht eine gegen den Uhrzeigersinn laufende, einbahngeregelte Zuwegung vor, über die man sich von Osten kommend dem Gebäude nähert. Entlang der Vorfahrt sind die Stellplätze für Busse, PKW und Fahrräder situiert. Mittig des Grundstücks liegt der Vorplatz, von dem aus der Kindergarten betreten wird.
STÄDTEBAU & MODELLIERUNG
Der Entwurf gliedert den Kindergarten in drei Häuser, die sich in Körnung und Dachform an den umliegenden Gebäuden orientieren und zu einer Hofstruktur gruppiert sind. Zwei längliche, schmälere flankieren einen kompakteren, breiteren Baukörper und bilden gartenseitig einen windgeschützten Aufenthaltsbereich aus - in funktionaler Anlehnung an einen traditionellen Dreiseithof. Zugangsseitig sind die drei Häuser gleichmäßig zueinander versetzt und folgen in ihrer Positionierung dem Straßenverlauf. Dieses 'Auffächern' der Baukörper lädt in Kombination mit dem gepflasterten Vorplatz und dem zurückversetzten Eingangsbereich zum Betreten des Gebäudes ein.
Das, nach Norden leicht abfallende, natürliche Gelände wurde mit Erdaufschüttungen modelliert und erinnert in Kombination mit der vielfältigen Bepflanzung in der großzügigen Wiete des Grundstücks an die oberösterreichische Hügellandschaft. Die, den beiden äußeren Häusern vorgelagerten, Außenspielflächen profitieren vom neuen Geländeverlauf. Wasserspielplätze, Klettergeräte und winterliche Schlittenbahnen nutzen die unterschiedlich steilen Böschungen, zwischen denen ein alles verbindender Weg zum Herumtoben animiert. Die große Ballspielwiese im Norden bietet darüber hinaus ausreichend Bewegungsraum.
ENTWURF & FUNKTIONALITÄT
Die städtebauliche Dreigliedrigkeit spiegelt sich in der funktionalen Aufteilung wider: Der mittlere Baukörper beherbergt die Allgemeinräumlichkeiten und die zentrale Erschließung, während sich in den äußeren beiden Häusern die sieben Gruppenräume mitsamt den zugehörigen Nebenräumen befinden. Betritt man den Haupteingang des Kindergartens, gelangt man über den Windfang direkt in den Eltern- und Kinderwartebereich, welcher den Durchblick in den Außenhof freigibt. Die gemütliche Sitzecke am Fenster sorgt hier für ein Ankommen und befindet sich in direkter Verbindung sowohl zum Verwaltungsbereich als auch zum Mehrzweckraum. Die figurale Innentreppe bildet das Zentrum des Erschließungsbereichs, welcher in die beiden Kinderhäuser verteilt. Beim Beschreiten der Stiege eröffnet sich erstmals die großzügige Raumhöhe unter den Giebeln des Obergeschoßes. Die sichtbaren Holzpfetten lassen die Satteldachkonstruktion erahnen. Nach Betreten der Kinderhäuser durch die 'Haustüren' landet man in den Spieldielen. Diese sind jeweils zwei Gruppenräumen vorgeschalten und dienen raumerweiternd als zusätzliche Spiel- und Austauschräume. Sie fungieren ebenso als zentrale Drehscheibe der Häuser und verbinden Kindergartengruppen, Sanitärräume und Garderoben miteinander. Auch die Garderoben vereinen mehrere Funktionen: Neben offenen und geschlossenen Stauräumen bilden sie mit den direkten Verbindungen ins Freie die Schmutzschleusen aus.
Die Gruppenräume zeichnen sich durch ichre Behaglichkeit unter den Steildächern und die Orientierung in jeweils zwei Himmelsrichtungen aus. Während die großen Raumhöhen einen regelrechten Tanz unterschiedlich großer Fenster zulassen, sorgt eben diese Ausrichtung deer Räume über Eck für abwechslungsreiche Lichteinfälle. Spielerisch angeordnete Hängeleuchten verstärken dieses Bewegungsspiel. Die Verbindung zwischen innen und außen wird durch separate, den Gruppen zugeordnete, Freibereiche in Form von Loggien unterstrichen.
MATERIALITÄT & ERSCHEINUNGSBILD
Am Standort einer ehemaligen Lehmgrube, in unmittelbarer Nachbarschaft eines Ziegelwerks, bildet der Baustoff Ziegel in Wänden und Dächern eine Konstante. Regionalität trifft hier traditionelle Bauweise.
Im äußeren Erscheinungsbild differenzieren sich die drei Baukörper durch leicht abgestufte Primärfarben. Während diese Unterscheidung aus der Ferne kaum auffällt, und das Ensemble als ein Gebäude wahrnehmen lässt, tritt sie bei näherer Betrachtung doch klar hervor.
Die Volumseinschnitte der Baukörper werden durch die etwas dunkleren Sekundärfarben hervorgehoben. Ebenfalls in diesen Farbtönen gestaltet sind die Sonnenschutzlamellen der Loggien. In Anlehnung an den ruralen Charakter der typischen Holzverschalungen von Dreiseithöfen, übernehmen diese Lamellen auch gestalterisch eine wichtige Aufgabe in der Fassade des Kindergartens.
Die vordergründige Gestaltung zeichnet sich jedoch durch die quadratischen Fenster unterschiedlicher Größen aus. Rhythmisch verspielt angeordnet führen diese einen Tanz an den Außenwänden auf und transportieren die innere Funktion dieser Kinderhäuser nach außen. Verstärkt wird dieser Effekt durch präzise angeordnete Fensterfaschen, die dem Farbkonzept zinnoberrote Akzente in Anspielung auf an den Baustoff Ziegel verleihen. Diese wirken ebenso als farbliche Klammer, die den drei, farblich differenzierten, Häusern den Zusammenhalt zu einem Kindergarten verleihen.




